Palmse - einer der bekanntesten und in seiner Gesamtheit besterhaltenen Gutshöfe des Landes am Rande des Lahemaa Nationalparks - besteht eigentlich nur aus diesem Gutshof und einem netten Hotel, das in der alten Brauerei untergebracht ist. Für mich immer noch unglaublich, dass wir hier als Freiwillige dann 5 Tage “verwöhnt” wurden….^_^ (tolle Zimmer mit tollem Bad, Frühstückbuffett um 9.00Uhr, 1. Kaffee-Tee-Obst-Pause um 11.30Uhr, Mittagessen um 13.30Uhr, Kaffee-Tee-Obst 16.Uhr und dann Abendessen um 18.30, mit Salat und Nachtisch versteht sich….^_^) Ihr seht, für Freiwillige der reinste Luxus……
Das Seminar an sich hat auch super Spaß gemacht, auch wenn man die altbekannten Themen (warum bist du hier, was machst du hier, wie gefällt es dir, hast du Probleme,…) durchgekaut hat. Aber es war eine tolle und entspannte Atmosphäre, was auch sehr an der netten Gruppe lag.
Das absolute HIGHLIGHT jedoch war dann aber “DER HIKE”.^_^
Wandern wäre dafür nicht mal das richtige Wort, daher muss es einfach mal das englische beschreiben.
Am Mittwoch Nachmittag starteten wir dann nach einigen Gepäckdiskussionen (was braucht man/frau alles, wie bekommt man das in die Rucksäcke, usw.) so gegen halb drei von Palmse Richtung Altja, einem kleinen Fischerdorf an der Ostsee. Ganz im “Spirit der Freiwilligen” nahmen wir dafür nicht die ausgebauten Wege, sondern machten uns mit Kompass und Karte bewaffnet auf, einmal quer durch den Wald. Und hiermit meine ich auch RICHTIG QUER DURCH DEN WALD - 15 km lang (entsprach etwa 6 Stunden)…. Es war herrlich - herrlich kalt, herrlich Schnee, später auch herrlich dunkel, herrlich anstrengend, aber vor allem auch herrlich lustig! ^_^ Wir mussten über umgekippte Bäume klettern, da diese dort nicht weggeräumt werden dürfen, über Bäche springen oder sie mit Hilfe umgekippter Bäume überqueren, Abhänge runterrutschen, Steigungen hochkraxeln…. Einfach uns durch den Wald schlagen. Und wie schon erwähnt, die letzten drei Stunden bei absoluter Dunkelheit. Bäume, Äste, Bodenlöcher oder kleine Bäche fand man dann häufig schmerzhaft mit den Beinen, den Armen oder mit dem Gesicht. Dabei übernahm immer einer aus der Gruppe die Leitung und führte uns durch den “Urwald”.
Hier ist glaub ich der passende Augenblick Marlene zu zitieren: “Habe mir nur einmal etwas Sorgen gemacht als uns gerade der Depp der Gruppe geführt hat und unser Trainer kein GPS-Empfang mehr hatte.“… ^_^
Wir sind dann aber schließlich doch noch heil, jedoch mit ein paar blauen Flecken mehr, an unserem Ziel angekommen - einer kleinen ehemaligen Fischerhütte, in der auch schon Horst Köhler übernächtigt haben soll.
Der Luxus konzentrierte sich dann hierbei aber auf die Sauna, die in einer Nebenhütte war und von uns auch fleißig genutzt wurde.
Die Hütte an sich besteht aber aus einer Küche, einem kleinen Badezimmer (doch die Dusche war gerade kaputt) und einem Esszimmer mit Kamin. Über der Hälfte der Hütte zog sich dann eine Art Dachboden - unsere Schlafstätte. So lagen wir dann dort, nach Wanderung und Sauna, ohne ordentliche Dusche, 14 Mann wie Sardinen in einer Büchse und haben VERSUCHT zu schlafen. Das war aus Platzmangel und durch die unerträgliche Wärme (wir lagen ja schließlich über dem Ofen) leider beinahe unmöglich. Drehte man sich auf die eine Seite, war da ein Gesicht, und aus der anderen Richtung bekam man auch nur eine Hand ins Gesicht oder ein Knie in den Rücken….^_^
Dem entsprechen ließen wir dann auch den nächsten Morgen mit einem gemütlichen Frühstück um halb neun und einem kleinen Spaziergang an die See langsam angehen….^_^
Ja, das war ein Abenteuer und es hat richtig Spaß gemacht!….. Unglaublich eigentlich!^^
Aber nach so einem Trip fängt man an sein eigenes Bett heiß und innig zu lieben…..^_^Mit einem kleinen Bus wurden wir dann zum Mittagessen wieder nach Palmse gefahren und haben (nach einer Dusche!) gleich mit unserem Seminar weitergemacht.
Freitag Nachmittag ging es dann wieder zurück Richtung Tallinn. Marlene und ich blieben dann noch eine Nacht in Tallinn bei anderen Freiwilligen, und so ließen wir diese erlebnisreiche Woche ausklingen….^_^
Ja ja, so ein estnisches Seminar ist halt doch was Besonderes…..^_^
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